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Unsauberkeit - nur Trotz?

Unsauberkeit ist ein häufiges Problem bei Katzen. Oft hört man, dass dies als reine Trotzreaktion interpretiert wird. Im günstigsten Fall wird man versuchen, die Ursachen herauszufinden, im schlimmsten Fall wird die Katze bestraft, abgegeben oder sogar eingeschläfert (Klingt zu dramatisch? Mag sein, aber dennoch weiß ich von so einem Fall).

Wenn ich von Unsauberkeit spreche, meine ich hier das Urinieren außerhalb der Katzentoilette. Es kann auch vorkommen, dass eine Katze außerhalb ihrer Box Kot absetzt, aber dies ist seltener der Fall. Auch muss man bedenken, dass unkastrierte Kater (und auch Katzen!) zu markieren beginnen, wenn die Geschlechtsreife einsetzt. Ein solches Verhalten ist ganz normal, und dagegen kann man auch nicht viel tun. Neben vielen anderen Gründen spricht also auch dies für eine rechtzeitige Kastration.


Das Malheur ist passiert ...

Eins steht fest, Unsauberkeit kann die Beziehung Mensch/Katze auf eine sehr harte Probe stellen! Immerhin ist der Geruch des Katzenurins nur schwer aus einem beschmutzten Sofa oder Teppich herauszubekommen (Backpulver als Geruchsbinder sowie Enzymreiniger haben sich hier ganz gut bewährt). Trotzdem: Bitte schimpfen Sie nicht mit Ihrer Katze! Und schenken Sie um Gottes Willen nicht denen Ihr Gehör, die Ihnen erzählen werden, dass man die Katze mit der Nase in die Bescherung stupsen muss!! Diesen antiquierten Ratschlag hört man immer wieder, nur ist er ebenso falsch wie für die Katze traumatisierend! Mit Schimpfen und Strafen kommen Sie nicht weit, Sie setzen damit höchstens das gute Verhältnis zu Ihrer Samtpfote aufs Spiel. Keine Katze wird unsauber, um "ihren" Menschen zu ärgern! Es ist ein Ausdruck von Unbehagen oder Verzweiflung, und Sie sollten nicht zögern herauszufinden, was dahinter steckt.


Was aber tun?

Wenn eine Katze, die bisher "stubenrein" war, plötzlich anfängt unsauber zu werden, muss als erstes eine Urinuntersuchung beim Tierarzt erfolgen. In den meisten Fällen liegt als Ursache für plötzliche Unsauberkeit nämlich eine Harnwegsentzündung und/oder Struvit- bzw. Calcium-Oxalatkristallbildung zugrunde (lesen Sie hierzu auch Wirklich neun Leben?). Diese Erkrankung ist für die Katze äußerst schmerzhaft und kann zudem chronisch werden. Auch besteht die Gefahr von Blasensteinbildung und Harnröhrenverschluss, einem lebensbedrohlichen Zustand. Hiervon sind aufgrund der längeren Harnröhre vor allem Kater betroffen.

Leicht zu erkennen ist die Harnwegsentzündung daran, dass die Katze häufig kleine Mengen Urin absetzt bzw. nicht halten kann, oder dass dem Urin Blut beigemischt ist. Dies muss aber nicht sein! Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Katzen mit Harnwegsentzündung durchaus ihre Toilette gelegentlich noch benutzen, und dass Urinmenge bzw. -farbe unauffällig sein können. Die Katze wird also nur gelegentlich unsauber, was somit naheliegenderweise als Verhaltensstörung gedeutet wurde - und dennoch stellte sich bei einer tierärztlichen Untersuchung heraus, dass meine Kätzin blasenkrank war.

Man muss sich nur einmal vorstellen, wie schmerzhaft das Wasserlassen ist, wenn man eine Blasenentzündung hat. Die Katze wird dieses unangenehme Erlebnis mit ihrer Katzentoilette assoziieren und deswegen beim nächsten Mal einen anderen Ort für ihr Geschäft aufsuchen. So ist eben nun mal die Katzenlogik!

So makaber es klingt - wird ein Harnwegsinfekt festgestellt, hat man eigentlich fast noch Glück, denn wenn dieser erfolgreich behandelt wird, reguliert sich die Unsauberkeit der Katze in der Regel wieder. Schwieriger ist es da schon, wenn tatsächlich eine Verhaltensstörung dahinter steckt, denn jetzt gilt es herauszufinden, was die Katze bedrückt.


Keine medizinische Ursache - was jetzt?

Ihre Katze ist also vom Tierarzt untersucht worden und ist gesund - jetzt ist guter Rat teuer! Noch einmal: Die Katze will Sie mit ihrem Verhalten nicht ärgern, aber sie will auf sich aufmerksam machen! Irgendetwas macht ihr zu schaffen, und Ihre Aufgabe ist es jetzt, herauszufinden, was es ist. Dabei kann man versuchen, sich ein wenig in die Katze hineinzuversetzen und ihre Umgebung mal aus ihrer Sicht zu betrachten.

Hierbei muss man sich zunächst vor Augen führen, dass manche Katzen recht empfindlich auf Veränderungen reagieren. Manchmal reichen schon Kleinigkeiten, denen wir selbst kaum Beachtung schenken, die die Katzenwelt jedoch zusammenbrechen lassen. Deswegen sollte man zunächst überlegen, ob sich irgendetwas im Umfeld der Katze geändert hat, bevor die Unsauberkeit eingesetzt hat. Dies könnte z. B. sein:

  • eine neue Katze ist dazugekommen
  • Geburt eines Kindes
  • ein neuer Partner ist eingezogen
  • ein Familienmitglied ist ausgezogen oder gestorben
  • ein befreundetes Haustier ist gestorben
  • der Mensch steckt in einer Krise und die Katze ist hiervon irritiert
  • die Katze ist depressiv
  • man ist mit der Katze umgezogen
  • die Wohnung wurde renoviert und/oder die Möbel wurden umgestellt
  • neue Möbel wurden angeschafft
  • es wird neuerdings ein Raumdeodorant oder -spray verwendet
  • ein Lieblingsplatz der Katze wurde entfernt oder umgeräumt
  • es wird ein anderes Katzenstreu verwendet


Katzenklo - der richtige Standort

Nicht nur das verwendete Katzenstreu muss als auslösender Faktor in Betracht gezogen werden, auch der Standort der Katzentoilette kann eine Rolle spielen. Behagt der Platz der Katze nicht, kann es sein, dass sie sich andere Stellen sucht, um ihr "Geschäft" zu verrichten. Zum Beispiel mögen Katzen es nicht, wenn die Box zu nahe an der Futterstelle steht (was ja nur allzu verständlich ist!). Oder das Klo befindet sich an einer Stelle in der Wohnung, an der es recht lebhaft zugeht. Wenn mehrere Katzen im Haushalt leben, kann es auch sein, dass eine Katze von der anderen beim Verrichten des Geschäfts belästigt wird. Dies kann dazu führen, dass die betroffene Katze diesen Ort in Zukunft nicht mehr aufsuchen wird. In einem Mehrkatzenhaushalt sollte also darauf geachtet werden, dass das Katzenklo nicht so in einer Ecke platziert ist, dass die Katze keine Ausweichmöglichkeit mehr hat, sollte eine andere Katze den Weg versperren. Besonders problematisch sind hierbei auch Katzentoiletten mit Abdeckhaube. Befindet sich eine Katze drinnen und eine andere blockiert den Ausgang, sitzt die Katze in der Falle. Auch kann sie nicht sehen, was sich von draußen nähert. Übrigens gibt es auch noch einen weiteren Grund, weswegen einige Katzen die Toiletten mit Haube nicht besonders schätzen: Die Geruchsentwicklung in diesen abgeschlossenen Räumen ist sehr stark - zuviel für so manche empfindliche Katzennase!

Idealerweise sollte eine Katzentoilette also an einer Stelle in der Wohnung aufgestellt werden, in der die Katze ungestört ist, aber dennoch den Raum gut überblicken kann. Manche Katzen möchten auch gerne zwei Katzenklos zur freien Auswahl, zum Beispiel eine fürs große und eine fürs kleine Geschäft. Absetzen von Kot in der Wohnung kann hierfür ein Hinweis sein. Hat man mehrere Katzen, sollte man für jede Katze mindestens ein Katzenklo aufstellen. Eine Faustregel lautet: Eine Box pro Katze plus noch eine weitere.

Übrigens, Katzen hören auch dann auf, ihr Klo zu benutzen, wenn dieses zu stark verschmutzt ist oder riecht. Katzenklos sollten mindestens einmal am Tag gereinigt werden, besser noch zweimal. Auch wenn Sie Klumpstreu verwenden, sollte die gesamte Streumenge in der Box einmal in der Woche ausgewechselt werden und die Box bei dieser Prozedur desinfiziert oder zumindest gründlich gereinigt werden.


Feliway & Bachblüten

Wenn Sie einen Verdacht haben, was die Ursache für die Unsauberkeit Ihrer Katze sein könnte, sollten Sie, wenn möglich, versuchen, diese zu beseitigen. Ist dies nicht möglich, kann man auf einige "Hilfsmittel" zurückgreifen.

Feliway ist ein Spray, das man beim Tierarzt bekommen kann. Hiermit sind schon recht gute Erfolge erzielt worden, wenn man diejenigen Stellen damit besprüht, die von der Katze gerne fürs "Geschäft" missbraucht werden. Feliway besteht aus synthetisch hergestellten Pheromonen, genauer gesagt aus den Gesichtspheromonen der Katze. Hierbei handelt es sich um jene Geruchsstoffe, die die Katze auf einen Gegenstand (Türrahmen, Sessel etc.) überträgt, indem sie ihren Kopf daran reibt. Diese Art von Pheromonen vermitteln der Katze Sicherheit und Wohlbefinden. In erster Linie wirkt Feliway zwar somit dem Markieren entgegen (denn eine Stelle, die derart vertraut riecht, muss nicht extra als Eigentum gekennzeichnet werden), aber auch bei allgemeiner Unsauberkeit hat es sich bewährt. Übrigens erleichtert Feliway auch das Akzeptieren von Veränderungen und das Einleben in neue Umgebungen.

Bachblüten sind ebenfalls eine geeignete Methode, um Verhaltensstörungen wie Unsauberkeit in den Griff zu bekommen. Katzen reagieren sehr positiv auf Bachblüten, und wenn Sie trotz aller Bemühungen nicht herausgefunden haben, was Ihre Katze mit der Unsauberkeit zum Ausdruck bringen will, dann ist eine Bachblüten-Therapie auf jeden Fall einen Versuch wert. Auch ansonsten kann sie unterstützend eingesetzt werden. Wichtig ist, dass Sie für Ihre Katze die richtige Mischung finden. Diese wird aus mehreren Essenzen zusammengestellt und muss individuell auf Ihre Katze abgestimmt sein. Die Grundlagen der Bachblüten-Therapie hier näher zu erläutern würde allerdings den Rahmen dieser Website sprengen, deswegen verweise ich auf das Buch "Bachblüten für Katzen" von Gisela Kraa, Kosmos-Verlag.

Durch einige Katzenfreunde habe ich übrigens noch von einem weiteren kleinen Trick gehört, der bei Unsauberkeit helfen soll; nämlich die Katze an der Stelle zu füttern, an der sie das Geschäft verrichtet. Da Katzen nicht gerne in der Nähe ihres Klos fressen, macht das durchaus Sinn. Allerdings kann ich persönlich einen Erfolg nicht bestätigen.




Abschließend sei noch einmal gesagt, dass auf jeden Fall eine medizinische Ursache ausgeschlossen werden muss, bevor man irgendetwas anderes versucht. Bitte geben Sie Ihre Katze nicht auf!! Es gab vor einigen Jahren ein Fall in meinem Bekanntenkreis, der mich besonders betroffen gemacht hat. Da wurde eine Katze ins Tierheim gegeben, weil sie im ganzen Haus unsauber war. Es ist nachzuvollziehen, dass dieser Zustand für alle Hausbewohner untragbar war, aber soweit ich weiß, wurde die Katze kein einziges Mal untersucht! Möglicherweise hätte man mit einer einfachen Antibiotika-Behandlung das Problem in den Griff bekommen können. Hieran kann man sehen, dass auch in punkto Unsauberkeit noch eine Menge Aufklärungsarbeit geleistet werden muss.